Vernissage der Lüste – Samuel 1/2

Die Aufregung der letzten Wochen fand im heutigen Tag ihren Höhepunkt. Auf den obligatorischen Pott Kaffee verzichtete Samuel bewusst. Nachdem er bereits eine Stunde vor dem Wecker erwacht und wortwörtlich aus dem Bett gesprungen war, um sich fertig zu machen, glich der Takt seines Herzens einem Pferd im Galopp. Die unruhige und beinahe schlaflose Nacht war in Anbetracht der Versprechungen dieses Tages bedeutungslos geworden.
Die Vernissage der Lüste. Ein Experiment, ein Abenteuer. Und Himmel er war so nervös, dass Koffein ihn vermutlich zum Explodieren gebracht hätte.

Die Zeit vom Aufstehen bis er endlich in der Bahn zur Ausstellung saß, verging unfassbar schleppend. Vermutlich hatte er in derart kurzen Abständen noch nie so häufig das kleine tickende Ding am Handgelenk nach der Uhrzeit gefragt. Nur um fast schon verhöhnend darauf hingewiesen zu werden, dass seit dem letzten Mal nur wenige Sekunden vergangen waren.

In der relativ homogenen Masse der Fahrgäste wäre er niemals aufgefallen. Optisch betrachtet. Getarnt zwischen all den anderen kam ihm jedoch der Gedanke, ob es nicht ein großes Glück war, eben nicht in die Köpfe der Menschen sehen zu können. Was hätten die Mitfahrer gesagt, hätten sie gewusst, wohin er unterwegs war. Hätten sie gesehen, wie er sich an die Anpassung des Latex-Anzugs und die Auswahl des Spielzeugt erinnerte. Und hätten sie gesehen, wie er sich die reglosen drei Stunden der Ausstellung im Kopf ausmalte. Nicht einmal sein Schwanz konnte ihn verraten. Der war bereits vorsorglich seit drei Tagen in stabiles Plastik gehüllt, denn wie hatte es in der Ausschreibung geheißen?

„Masochismus und Exhibitionismus sind nicht nur wünschenswert, sondern dringlichst erforderlich.“

Aber waren drei Tage Keuschheit genug? Hätte er schon die Woche zuvor beginnen sollen? Würden die Stunden während der Vernissage ihn an seine Grenzen bringen? Würde er die drei Tage verfluchen? Oder sich, weil er zu spät daran gedacht hatte, das eigene lustvolle Leid auf diese Weise im Vorfeld noch zu verstärken. Vor drei Tagen hatte er Bea gebeten, den Cage tragen zu dürfen. Regelrecht angefleht hatte er sie, nachdem allein der Gedanke an die Ausstellung die eigenen Hände immer wieder in seinen Schoß haben gleiten lassen. Dabei hatte sie ihm verboten, sich zu berühren, wenn sie es nicht ausdrücklich gestattete. Und seine Freundin, die bereits Feuer und Flamme gewesen war, als er nur von der Vernissage erzählt hatte, fand die Idee großartig. Den Schlüssel zu seinem Schloss trug sie an einem Fußkettchen und hatte ihm seither täglich ein Foto davon geschickt, um ihn daran zu erinnern, wer über seine Orgasmen bestimmen würde.

Das kleine Stimmchen in seinem Kopf hatte gelacht und geflüstert, wie dämlich er sein musste, sie nicht am Morgen im Bett noch um einen Höhepunkt gebeten zu haben.
Schon als die Haustür ins Schloss gefallen war, spätestens aber beim Eintritt in die Bahn war es dafür definitiv zu spät, denn der Notfallschlüssel lag gut verwahrt in einem separaten Kästchen und mit jeder passierten Haltestelle entfernte es sich ein wenig mehr.
Immerhin aber bewahrte der Cage die Fahrgäste vor dem Anblick seiner sehnsüchtig pochenden Erektion.

Als er auf der Ausstellung angekommen seine Klamotten dann zwischen all den anderen „Exponaten“ – das Wort jagte ihm einen Schauer über den Rücken – ablegte, zog der schwarze Käfig doch einige Aufmerksamkeit auf sich. Auf die Nachfrage seine Visagistin hin erzählte er knapp von den drei Tagen und sie versuchte nicht einmal, den spöttischen Ausdruck auf ihrem Gesicht zu verstecken. Wobei spöttisch vermutlich gar stimmte. Es war viel mehr ein „Wow, das war keine deiner besten Ideen!“-Lächeln. Mit leicht geneigtem Kopf und einem Glänzen in den Augen, dass ihn hart schlucken ließ. Sie schien Spaß am Gedanken zu haben, ihn über der eigenen Selbstüberschätzung und Gewagtheit verzweifeln zu sehen. Allein diese Erkenntnis ließ ihn hart werden. So weit es eben ging.

Samuel presste bereits in Erwartung des Schmerzes die Zähne aufeinander. Ein Schmerz, der ihn während der letzten Tage zunehmend begleitet hatte, wann immer sich die Lust in seinem Zentrum verselbstständigt hatte. Den er gleichzeitig genoss wie auch fürchtete.

Das Lächeln der Puppenmacherin – so nannten sich die Visagisten selbst – vertiefte sich und er ahnte bereits warum. Am Tag des Vorstellungsgesprächs war sie mit ihm zusammen die Accessoires durchgegangen, hatte bei der Auswahl beraten und da drei Stunden höllisch lang sein konnten, empfohlen, seinen eigenen Käfig mitzubringen. Samuel selbst besaß vier davon, manche waren optisch definitiv schöner, aber nicht unbedingt angenehmer zu tragen. Erst recht nicht, wenn eine Erektion nicht nur vorkommen könnte, sondern mit allen Mitteln heraufbeschworen werden sollte.

Ein drei Stunden langer Kampf gegen die eigene Lust, mit dem Wissen ihn zu verlieren. Dem Willen ihn zu verlieren und der Frage, ob er eigentlich vollkommen wahnsinnig war.

Allein die Nächte in dem Ding waren mitunter die Hölle. Wenn er zweimal aufgewacht war, war das wenig. Eine kalte Dusche und Konzentration auf irgendetwas, das ihn ablenkte als einzige Hilfe. Und da war noch keine Stimulation dabei. Keine Besucher, die alles dafür tun würden, seine Geilheit eben nicht abklingen zu lassen. Keine Add-Ons, die für sich allein schon genug Reize setzten, ihn ganz sicher nicht entspannen zu lassen.

Wahnsinnig!, schoss es ihm durch den Kopf. Das konnte nur Wahnsinn sein. Vielleicht auch ein gewisser Hang zur Selbstzerstörung und der für die Vernissage geforderte Masochismus. Jede Menge davon. So richtig entscheiden, ob dieser Gedanke ihm nun gefiel oder nicht, konnte sich sein Schwanz noch nicht. Das es hart werden würde, stand außer Frage. Hart und hoffentlich eine der besten Erfahrungen, seines Lebens.

Bereits während seiner Verwandlung zur Puppe hatte er Schwierigkeiten, gegen das Verlangen in seinem Schwanz anzukommen. Alle Gedanken um sich abzulenken fanden ihren Weg zu irgendetwas, dass er wiederum erregend fand. Nicht einmal die Überlegung, in einer großen Halle vor zig Unbekannten ausgestellt zu werden, half ihm. Gerade ihm, der sich bereits im Schwimmbad zu nackt fühlte.

Im Grunde war es sein Wunsch nach Demütigung und Extremen gewesen, der ihn veranlasst hatte, sich auf die Anzeige zu bewerben. Der Wunsch danach, abhängig zu sein vom Interesse der Gäste, entscheidungsunfähig, platziert als lebendes Objekt und somit degradiert zu einem Spielzeug. Seine Lust in den Händen Fremder in einer selbstgewählten Pose, die alles andere als Vorteilhaft sein würde. Weder optisch betrachtet, weil sie seinen Wohlstandsbauch betonte, noch komfortbezogen. Wobei vermutliche keine Pose auf lange Sicht wirklich angenehm sein dürfte.

Nachdem die Visagistin ihm in den schwarzen Latexanzug geholfen hatte, betrachtete er sich im Spiegel. Neben den Augen und kleinen Kreisen um die Brustwarzen war nur ein ovaler Ausschnitt im Intimbereich frei dunklen Material. Er gab gerade so den Blick auf den Cage und seinen Anus frei.

So vorbereitet, ging er mit rasendem Herzen zum für ihn vorbereiteten Podest und es kostete ihn mehr Überwindung, als vermutet. Dabei war er als Samuel jetzt schon nicht mehr zu erkennen und zwischen all den anderen Exponaten auch nur einer von vielen. Dennoch…

Auf der Erhöhung angekommen, streckte er sich noch ein finales Mal, bewegte Arme und Beine durch, als würde er sich für eine sportliche Höchstleistung auflockern und vermutlich war es das auch irgendwie. Die Dauer der Ausstellung an sich erschien ihm an diesem Punkt wie eine unüberwindbare Hürde. Drei Stunden im Vergnügungspark – im Flug vergangen. Drei Stunden im Kino – ebenfalls. Drei Stunden als lebende Puppe vor Unbekannten, reglos, mit angestauter und potenzierter Lust…

„Du kannst jederzeit abbrechen!“, erklärte die Visagistin immer wieder, wenn sie seine Anspannung wahrnahm. Das war vertraglich auch geregelt. Aber wäre es ein Scheitern? Würde er einen frühzeitigen Abbruch bereuen? Das böse Stimmchen flüsterte, dass es ein Versagen bedeutete, während das Engelchen mit gesundem Menschenverstand und Selbsterkenntnis gegenhielt.

Wie jedem Exponat war auch für ihn jemand von der Security bereitgestellt. Nicht ausschließlich, um ihn vor möglichen Übergriffen durch Besucher zu schützen, sondern hauptsächlich, um im Notfall oder im Fall des Abbruchs schnell reagieren zu können. Ein weiterer Sicherheitsaspekt, der in einer derartigen Situation nicht nur vernünftig, sondern absolut notwendig war.

Samuel platzierte sich auf den kleinen Kreuzchen am Boden. Die Beine etwa schulterbreit gespreizt. Durch eine relativ zentrale Lage im Raum würde es den Besuchern möglich sein, ihn aus jeder Richtung beobachten zu können. Ein Gedanke, der dem eingesperrten Schwanz zu schaffen machte.

Vor ihm fest im Boden montiert, stand ein schwarz eingefärbtes Stahlrohr. Seine Stütze für die kommende Zeit. Wie ein auf den Kopf gekipptes eckiges U ragte es hüfthoch empor. Wenn er sich darüber beugte, konnte er den Oberkörper auf Brusthöhe ablegen, um seinen Rücken zu entlasten. Die Hände – ebenfalls in schwarzes Latex gehüllt – legte die Puppenmacherin in einigem Abstand zueinander in Manschetten, die bereits mit dem Gestell verbunden waren. Einmal geschlossen, konnte er sie allein nicht mehr lösen. Das kümmerlich zusammengepresste Gewächs zwischen seinen Schenkeln hatte zu kämpfen. Mit jeder Berührung und jedem Geräusch, das die die einschnappenden Verschlüsse erzeugten. Immer mehr Blut pumpte in ihn hinein, verstärkt durch die Tatsache, dass er schon ab diesem Moment keine Möglichkeit mehr hatte, sich selbstständig zu befreien.

Er würde abwechselnd auf die Hände oder auf den Oberkörper gestützt verharren müssen, um verschiedene Muskelgruppen für einen kurzen Augenblick entspannen zu können. Wobei der Bewegungsraum durch weitere Spielzeuge schnell verkleinert wurde und bald nur noch im Millimeterbereich möglich war.

Über die Schulter hinweg beobachtete er, wie sie einen fest montierten Dildo hinter ihm platzierte und mit viel Gleitgel, Geduld und Vorsicht in ihn schob. Der Druck, der dadurch entstand, war einerseits großartig, andererseits blieb der Gedanke der drei Stunden.

Er hatte sich nach der Auswahl der Accessoires vor ein paar Wochen mehrfach gefragt, ob er nicht doch auf den Plug an dem motorisierten Stab hätte bestehen soll. Jetzt war er froh darüber, es nicht getan zu haben. Stundenlang von einem doch recht großen Dildo gefickt zu werden war vermutlich zu viel für ihn. Der spitz zulaufende Plug, der am Ende gute 4,5 Zentimeter maß und von dem ein guter Teil bereits in ihm ruhte, würde vermutlich vollkommen ausreichen, ihn an seine Grenzen zu bringen. Spannte er den Unterleib an, drückte der Silikonschwanz auf seine Prostata, was sich wiederum sofort im Schwanz bemerkbar machte. Aufrichten konnte Samuel sich seither zudem nicht mehr.

Die Visagistin verfuhr mit im Boden eingelassenen Manschetten ähnlich wie mit den Armen und fixierte seine Beine, bevor sie ihm eine Art Geschirr um den Kopf legte, das ihn an sich zwar kaum einschränkte, allerdings am Hinterkopf eine Öse eingearbeitet hatte. In diese Öse hakte sie ein Seil ein, um seinen Kopf in den Nacken zu ziehen, sodass er mit geradeaus gerichtetem Blick in die Halle sehen konnte. So präpariert war es ihr ein leichtes gewesen, einen weiteren Dildo in seinen Mund zu schieben.
Peinlich genau achtete sie darauf, weit genug hinein zu kommen, dass es ihm nicht mehr möglich sein würde, ihn vollständig zu schließen. Und er genoss es. Genau so hatte er es haben wollen. Genau so wurde es besprochen. Dass Samuel wusste, genau das bald zu verfluchen, machte es nicht weniger erregend. Im Gegenteil.

Wenn ihr wissen wollt, wie es weiter geht, besucht mich gern im Refugium:
https://www.patreon.com/posts/vernissage-der-2-38529009

6 Kommentare zu „Vernissage der Lüste – Samuel 1/2

    1. Die Idee hatte mein Frau. Manchmal, wenn sie Ihren festen Freund besucht, macht sie für mich einen Termin bei einer Domina ihrer Wahl. Mit der Dame bespricht sie auch was mit mir passieren soll. Der Abstandsregelung folgend kam sie auf die Idee mit der Fickmaschine. Meine wunderbare Frau hat immer weider sehr gute Ideen.

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