Passt auf euch auf!!!

Dieser Beitrag sollte sich eigentlich an Subs richten. An Menschen, die im Spiel, einer Session oder einer D/s-Beziehung den devoten Part einnehmen. Doch im Laufe des Schreibens fiel mir auf, wie viel mehr ich eigentlich sagen möchte.

Darum bitte ich euch, unabhängig von eurer Neigung, diesen Text zu lesen und euch auch ein Stück weit selbst zu hinterfragen.

Social Media verbindet, Social Media bietet unglaublich viele Möglichkeiten, wenn es darum geht, sich gegenseitig zu unterstützen oder Informationen in die Welt zu tragen.
Doch genau dort liegt eben auch die Gefahr.
Gedankengut, Ansichten, Einstellungen verbreiten sich oft wenig reflektiert und viel zu häufig ungefiltert.

Wenn wir aufmerksam sind, erkennen wir das in propagandistischen (ggf. politischen) Zusammenhängen, im Marketing, in fast jedem Bereich des täglichen Lebens.

Das müssen nicht immer die ganz großen Accounts sein (wenn wir im Kontext des Social Media bleiben wollen). Manchmal sind es auch die kleinen, die dafür umso lauter schreien, um gehört zu werden. Ob das gut ist oder nicht, lasse ich an dieser Stelle unkommentiert, denn heute möchte ich schreien. Laut. In der Hoffnung, jemanden damit zu erreichen, weil es wichtig ist!

Aber worum geht es?

Wir schreiben Geschichten. Sie werden gelesen, kommentiert, manchmal sogar geteilt.
Für manche bin ich nur die Bumse, die sich regelmäßig den Arsch versohlen lässt. Damit kann ich gut leben, denn alles was ich tue, geschieht im absoluten gegenseitigen Einverständnis und genau darum geht es mir in diesem Beitrag.
Aber ich sollte anders beginnen, um die Zusammenhänge klarer hervorzuheben:
Aus einem eher entspannten Chat entwickelte sich eine Grundsatzdiskussion über Basispfeiler des BDSM.
Ich werde ein paar der gefallenen Sätze wiedergeben, die in schriftlicher Form gefallen sind. Versucht in euch zu lauschen, was die Worte mit euch machen und in euch auslösen!

„Ich hasse es, wenn Frauen mich auf 180 bringen und dann nicht da sind, damit ich es an ihnen auslassen kann!“

Sub kann bratty sein. Für manche liegt darin sogar ein Reiz des Spiels. Anstacheln, Austesten, Herauskitzeln von Konsequenzen. Doch das alles geschieht im Spiel.
Sobald Dom Ärgernisse aus dem Alltag, die nichts mit der Session zu tun haben, ins Spiel einbringt, sobald Dom Wut und Zorn hinzufügt, ist es kein Spiel mehr!
Eine Session sollte ein in sich geschlossenes System sein. Es sollte nur das aktuelle Geschehen zählen. Kann Dom das nicht abschalten und hat das Verlangen, negative Emotionen an Sub auszulassen, DARF Dom nicht spielen. Ganz einfach.

(Im Gegenzug dazu möchte ich auch auf Sub eingehen, denn hier ist es ähnlich: ein stressiger Tag kann die eigene Körperwahrnehmung deutlich verschieben. Auf mich bezogen kann ich sagen, dass ich um abzuschalten von allem etwas mehr brauche, wenn ich gestresst bin. Und dann spiele ich nicht. Zum Schutz. Oder ich sorge im Vorfeld für genügend Entspannung. Das sollte für beide Seiten gelten.)

Wut, Stress und Ärger an Sub auszulassen zeugt in meinen Augen von einer sehr geringen Impulskontrolle.
Auch das ist gefährlich. Auch das kann zu tiefen Verletzungen des Vertrauens führen.
Wir sind bei der Verantwortung angelangt. Verantwortung, die jeder für sich, aber auch für sein Gegenüber trägt.
Um sich abzureagieren, gibt es Boxsäcke. Menschen sind für so etwas gänzlich ungeeignet!

„Ich bin ein Mann, der den Willen der Frauen bricht!“

Im Kontext der schwarzen Pädagogik* wurden die zusammenhängenden Worte „Willen“ und „brechen“ verwendet.

Laut Definition ist Pädagogik die Wissenschaft vom Erziehen und Lernen.
In abstrakter Form kann das in spielerischem Rahmen aufs BDSM abgeleitet werden. Jedoch den Willen eines Menschen „mit Hilfe der offenen oder verborgenen Machtausübung, Manipulation und Erpressung zum gehorsamen Untertan zu machen“ (A. Miller, Evas Erwachen; 2001), darf in keiner auf Vertrauen basierenden zwischenmenschlichen Beziehung überhaupt noch Thema sein.
Um im BDSM zu bleiben: ein guter Dom muss Sub nicht zwingen, seinem Willen zu gehorchen. Ein guter Dom überzeugt Sub, das selbst zu wollen. Punkt!

„Sub muss beweisen, es wert zu sein, bespielt zu werden!“

Es ging bei dieser Bemerkung nicht darum, dass sich Sub und Dom vor einem Spiel oder gar einer längerfristigen Beziehung welcher Art auch immer kennenlernen, sich abtasten müssen, sondern um den Satzinhalt genau so, wie er dort steht.

Subs begeben sich in eine teilweise hilflose Situation. Sie müssen also vertrauen können.
In dem Moment ist vielleicht die Handlung ein Spiel (Spanking, Bondage, Unterwerfung, Erniedrigung…) das Vertrauen jedoch ist keines! Das Vertrauen ist echt.
Möglicherweise wird es die Situation von Sub auch im Kopf, möglicherweise kann Sub sich so tief hineinversetzen, dass es in dem Moment kein Spiel mehr ist, sondern Realität wird. (Auch wenn ein Safe-Word alles beenden könnte).
In dem Moment, legt Sub alles in die Hände vom Dom. Das eigene Innerste. Den Umgang mit Ängsten, Grenzen, ab einem bestimmten Punkt der Ekstase die Verantwortung. Sprich die Kontrolle.

Nun frage ich – und ja, es ist vielleicht ketzerisch – warum sollte SUB beweisen, es wert zu sein?
Ich sage es gern immer wieder: Sub stellt die Grenzen und Regeln auf, in denen Dom sich bewegen darf! Nicht anders.

„Sub muss auch erst lernen, was sie von einem neuen Dom erwarten kann und was er sich vorstellt!“

Auch hier möchte ich auf das Vertrauen und die Grenzen und Regeln hinweisen. Natürlich ist eine ausführliche, vorherige Absprache hilfreich und absolut notwendig.
Aber auch hier frage ich: ist es vordergründig, was Dom sich vorstellt? Was Dom (mit Sub) tun möchte?
Ja, keine Frage, es ist ein Geben und Nehmen. Aber es bleiben Subs Grenzen, die eingehalten werden wollen. Grenzüberschreitungen im consensualen Rahmen ausgenommen.
Es geht also viel weniger darum, was Sub von einem neuen Dom erwarten kann als darum, welchen Weg sie gemeinsam gehen können.

„Mir liegt es im Blut zu dominieren und ich habe schon viele Subs dominiert und gefickt!“

Mir stellt sich die Frage, welche Praktiken darunter fallen, einen Menschen zu dominieren. Ein Klaps auf den Hintern? Ein harter Fick? Ein gröberes Ziehen an den Haaren?
Meines Wissens nach gibt es keine Marker im Blut, die Dominanz nachweisen können.
Wenn wir zudem in der Vorstellung bleiben, Sub sucht sich seinen bzw. ihren Dom aus und wird im eigens festgelegten Rahmen bespielt, müsste der zweite Teil des Satzes anders lauten:
„Ich durfte schon viele Subs dominieren und ficken!“
Oder
„Schon viele Subs haben sich von mir dominieren und ficken lassen!“ (Wenn wir darauf Rücksicht nehmen wollen, dass Dom immer hart sein muss und sich nehmen kann was er will, ohne darum bitten zu müssen!… *Sarcasm off )

Aber hier zeigt sich meiner Meinung nach ganz deutlich, wie wenig dieser Mensch verstanden hat, worum es im BDSM eigentlich geht. Im Grunde ist es eine Philosophie und nicht das reine Verhauen und Bestrafen eines anderen Menschen (bestenfalls mit dessen Einverständnis)!

„Ich habe genug Erfahrung, was Sex, Strafen und Dominanz angeht!“

Same thing!
BDSM ist so viel mehr. Weder inkludiert es automatisch Sex, noch Strafen. Beides sind vielleicht Teile, aber nicht die tragenden. Nicht die, die BDSM ausmachen.
Der offensichtliche Drang, die eigene Erfahrung in den Vordergrund stellen zu müssen, beweist nur einmal mehr, wie wenig dieser Mensch verstanden hat, was er dort tut und worum es eigentlich geht.
Ich kann hier nur davon abraten, ein (Kennen-)Lerngespräch fortzuführen, sondern stattdessen schnellstmöglich das Weite zu suchen.
Es passiert leider zu viel und die Gefahr, dass insbesondere Sub in so einer Konstellation Schaden nimmt, ist einfach zu groß. 

„Oder soll das heißen, dass ich etwa auf Sub aufpassen muss?“

Ich betone noch einmal, dass alle Beteiligten Verantwortung tragen und die auch nicht absprechen können und dürfen, aber ja, verdammt!
Dom muss auf Sub aufpassen. Auf Reaktionen (und deren Ausbleiben), auf die Wahrung von Subs Grenzen und Subs Wohlbefinden im Vorfeld, währenddessen und hinterher!
Weist also Dom die Verantwortung von sich? Dann: geht! So schnell ihr könnt. Denn dass eine Session, ein Play hier nicht gut gehen kann, ist abzusehen.

„Du hast mich wirklich enttäuscht. Das macht mich gerade sehr traurig und ich habe ein schlechtes Bild von dir. Willst du dich nicht entschuldigen?

Damit endete unsere Unterhaltung. Und das sollte jede andere auch, in der diese Sätze fallen.
Sie versuchen zu manipulieren. Ein schlechtes Gewissen einzureden. Sich selbst auf eine höhere (moralische, kognitive und soziale) Stufe zu stellen und das Gegenüber in eine Ecke zu drängen.

Ich möchte euch sagen: lasst euch nicht drängen! Lasst euch nicht derart beeinflussen. In keinem ernstgemeinten Gespräch, in keinem Bereich des Lebens und fuck… erst recht nicht, wenn es um auch nur die Anbahnung eines eventuellen Machtgefälles geht.
Mit einem solchen Gegenüber in einer Session, in einem Spiel oder gar einer längerfristigen Beziehung, werdet ihr kaputt gespielt!
Es mag schwer sein, den geeigneten Partner zu finden um devote oder dominante Neigungen auszuleben.

Leider gibt es immer wieder Menschen, die versuchen durch Manipulation und ein falsches Verständnis für BDSM ihr Ego aufzupolieren. In diese Szene verirrt können sie gefährlich werden.
Bauchgefühl und Intuition sind so unglaublich wichtig. Hört darauf! Dazu kommen bestimmte Worte, Ansichten und Meinungen, die einfach schädlich sind oder es werden können.
Passt auf euch und euer Umfeld auf und lasst euch nicht auf solche Menschen ein. Sie tun euch nicht gut!
Solltet ihr nun aber „die Dominanz im Blut haben“ und euch fragen, warum ich hier so herumwettere, dann überdenkt doch euren eigenen Standpunkt und eure Einstellung bezüglich BDSM noch einmal.

Liebe Grüße,

Eure Catherine

*Schwarze Pädagogik: Erziehungsmethoden, die mit Gewalt und Einschüchterung arbeiteten. Studien belegen, dass Kinder und Jugendliche, die mit diesen Mitteln erzogen wurden, Schwierigkeiten aufwiesen, soziale Bindungen einzugehen. In der Zeit des Nationalsozialismus‘ wurde dies aktiv unterstützt und genutzt, um Nachwuchs für die Armeen zu generieren, die möglichst wenig soziale Ankerpunkte besaßen, dafür aber gehorsam Befehle befolgten. (C. Kuhlmann, Erziehung und Bildung, 2012)

2 Kommentare zu „Passt auf euch auf!!!

  1. Was für rein guter und richtiger Beitrag liebe Catherine. Ich habe wohl unbewusst das Glück gehabt immer an die Richtigen zu kommen. Allerdings waren das auch immer Dominas die ich dafür bezahlte. Vielleicht macht das einen Unterschied.

    Gefällt 1 Person

    1. Das sollte definitiv einen Unterschied machen, denn die Damen haben im besten Fall eben (wirkliche) Erfahrung und einen Blick für ihr Gegenüber und sind gefestigt in dem was sie tun.

      Ich danke dir lieber Christian und hoffe, dass es zumindest ein paar Menschen erreicht und zum Nachdenken angeregt.

      Gefällt 1 Person

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