Verantwortung von Beginn an

Oft genug wird auf entsprechenden Blogs, in Podcasts, Büchern und Artikeln die sich um BDSM drehen auf die Verantwortung hingewiesen. Zu Recht!
Wo Kontrolle von einem Menschen auf einen anderen übertragen wird, auch wenn es nur zeitweise oder situationsbedingt in einer Session geschieht, geht es um Verantwortung.

@KatKristal beispielsweise hat bei Deviance über Red Flags gebloggt, bei denen Sub hellhörig werden sollte. Der @eisbär_ka ergänzte um Warnsignale, die den dominanten Part schützen können.
Beides sind absolut wichtige Aspekte und all das kann (leider) nicht oft genug geteilt werden.

Im BDSM-Kontext wird berechtigter Weise immer wieder von Verantwortung gesprochen und wie die beiden verlinkten Blogger sehr gut aufzeigen, ist das ein Punkt, den auf die eine oder andere Art sowohl der dominante, als auch der submissive Part zu verantworten haben.

Warum dann also jetzt dieser Text, wenn doch das Wichtigste schon gesagt wurde?

Verantwortung beginnt nicht erst im Spiel, sondern lange vorher.

Machen wir uns nichts vor. Bei Twitter wird man in der Kinky-/Sex-/BDSM-Bubble mit Wünschen und Sehnsüchten geradezu bombardiert und Phantasien können zu einer Droge werden.
Kontrolle haben oder sie abzugeben kann berauschend sein. Einen anderen Menschen im abgesteckten Rahmen in der Hand zu haben – oder aber auch sich in andere Hände zu begeben – kann sich großartig anfühlen.

Doch was geschieht, wenn dieser Rausch nicht kontrollierbar ist? Keine Frage, Kontrollverlust kann auch passieren, wenn jahrelange Erfahrung dahintersteht oder wenn durch unerwartete Trigger oder zu hoch angesetzte Wünsche der Druck zu groß oder die Fallhöhe zu tief ist. Treffen die letzten Punkte aber zu UND die Erfahrung fehlt, kann es schnell kritisch werden. Für Dom und Sub.

Mangelnde Kommunikation, unzureichende Absprachen, inkongruente Vorstellungen, … all das sind Stolperfallen auf beiden Seiten des Machtgefälles, die ein Spiel/ eine Session zum Desaster werden lassen können.

Ich kenne mittlerweile genug Menschen, die um erste Erfahrungen zu sammeln einfach machen (oder machen lassen), um das ganz salopp auszudrücken. Damit meine ich nicht die, die sich langsam herantasten und Schritt für Schritt versuchen, sich zu entwickeln. Vielmehr meine ich die, die teilweise mit mehr Glück als Sinn und Verstand gewagtere Schritte gehen. Die die Nähe von Bindungen und die Tragweite der Macht über einen Menschen unterschätzen. Nicht aus Boshaftigkeit.
(By the way würde ich es auch ungern Leichtsinn nennen wollen, weil da eine Wertung mitschwingen könnte.)

Nicht falsch verstehen! Auch diese gewagten Schritte können gut gehen. Die Gefahr jedoch, dass sie aus dem Ruder laufen und Sub oder Dom:me oder beide verletzt werden, ist zumindest nicht unwahrscheinlich.
(Auch hier gilt: nicht einmal der größte Erfahrungsschatz schützt vor dem Fall, aber Erfahrung kann helfen. UND – ich sag es gern immer wieder – Kommunikation und Ehrlichkeit!)

Eben weil ich aber häufiger von Enttäuschungen und (nicht gewolltem) Schmerz lese und weil diese Spielart so wundervoll sein kann, wenn sie mit Bedacht und Verstand gelebt wird, finde ich diese Hinweise einfach wichtig:

  • Unterschätzt nicht, was ihr da tut.
  • Nicht jede Phantasie ist uneingeschränkt für die Realität geeignet.
  • Auch wenn es im BDSM um Lust und die Befriedigung von Bedürfnissen geht, ist es ein Spiel zwischen Menschen.

Auch das Gegenüber – ob aktiv oder passiv – ist ein Mensch mit Gefühlen und Ängsten und der größte Kick ist es nicht wert, einen anderen Menschen zu verletzen.

Eine verantwortungsvolle Spielpartnerperson wird niemals bei den ersten Treffen zu viel fordern oder zu viel geben. Verantwortung bedeutet zu kommunizieren, abzuklopfen, miteinander zu erforschen und wieder zu kommunizieren. Sei es in vorherigen Gesprächen oder im Spiel selbst.

Eine verantwortungsvolle Spielpartnerperson wird immer hinterfragen und nachhaken, wie es dem Gegenüber geht und reflektiert auch sich selbst wieder. Denn nur so kann ein Spiel wirklich sicher sein.

Insbesondere am Anfang des individuellen Auslebens – aber auch zu Beginn einer neuen Spielbeziehung – ist das essentiell, damit es sich für alle Beteiligten dauerhaft gut anfühlt.

Verantwortungsvoll von Beginn an

Vor ein paar Tagen schrieb ich mit einem Vögelchen über Neigungen und Interessen und darüber wie es wäre, sich auszuleben. Wie es wäre, eigene Erfahrungen zu machen, wo doch gerade Twitter so voller Ideen, Phantasien und Wünsche ist.

Für den Vogel sind reale Erfahrungen im BDSM noch neu. Virtuell gibt es wirklich (Wirklich!) heiße Vorstellungen und Ideen und jetzt mag der eine oder andere vielleicht sagen, dass jede:r mal klein angefangen und das stimmt wohl. Ich schätze ein Großteil begann mit einem Schlag auf den Arsch, dem Packen des Kopfes beim Oralverkehr oder kam durch softeres Spielzeug langsam zum BDSM. Alles das ist – wie jeder andere konsensuale Weg auch – völlig legitim. Wenn sich daraus mehr entwickelte oder die Spielart an sich Stück für Stück härter wurde… fine!
„Probieren geht über Studieren“ trifft in diesen Fällen wohl zu.

Auf meine Frage hin, wie wahrscheinlich es ei, die Phantasien über die wir zuvor gesprochen haben, auszuleben, bekam ich folgende Antwort:
(Die Veröffentlichung des Zitats ist abgesprochen und genehmigt.)

„Klar sind Online-Spiele nice. Ohne Frage! Aber im Reallife könnte es dann doch zu anspruchsvoll werden, was weder für mich als Domme, noch für Sub gut wäre.

Bevor ich oder jemand anderes – egal ob Partner oder Sub darunter leidet, ist es so erstmal besser.“

Hier entscheidet ein Mensch ganz klar für sich und potentielle Subs, dass die eigene Erfahrung im Umgang mit Macht und Kontrolle nicht ausreicht, um sich auf ein Spiel mit dem Feuer einzulassen und ich lese da ganz viel Größe heraus.

DAS ist für mich Verantwortungsbewusstsein und Gewissenhaftigkeit.

Keinesfalls soll das heißen, dass fehlende Erfahrung ein Grund sein soll, auf alles und auf ewig zu verzichten. Es ist nur der Hinweis, sorgsam mit der Verantwortung für sich selbst, das Gegenüber und alle dritten Beteiligten umzugehen. Langsame Schritte zu machen, nichts zu überstürzen und sich bewusst zu machen, dass Spiele im Rahmen von BDSM Risiken beinhalten, die über körperliche Schäden hinaus gehen.

Es ist ein Spiel zwischen Menschen.

Darum: passt auf euch und die Menschen mit denen ihr spielt oder spielen wollt auf. 🌹

8 Kommentare zu „Verantwortung von Beginn an

  1. Sehr guter Beitrag!
    Ich stelle auch immer wieder fest, dass die Leute mit den Füßen voran ins kalte Wasser springen und sofort loslegen, sich total überschätzen (oder den Partner, der alles wissen soll). Dabei ist es auch viel schöner, langsam einzusteigen und zu genießen. Dann sind auch Steigerungen möglich, die niemandem wehtun – oder nur so viel, wie gewollt ist.

    Gefällt 2 Personen

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