Über aktive oder passive Submission

Immer wieder lese und höre ich, wie Subs als der passive Part oder die passive Seite bezeichnet werden. Die Idee mag daher rühren, dass meist Dom:me das Geschehen in einer Session aktiv gestaltet, also dirigiert und darüber bestimmt, was geschieht. Wird Sub nun als Gegenpart dazu gesehen, liegt es nahe, ihn antonym „passiv“ zu nennen. Im Rahmen einer Session mag das teilweise zutreffen, wobei es bereits an diesem Punkt in mir rebelliert.

„Passiver Part“ jedoch grundsätzlich als Synonym für Sub zu benutzen, halte ich für schwierig bis falsch, denn es würde bedeuten, ich würde mich als Sub zurücklehnen, Dinge stillschweigend und zustimmend grundsätzlich hinnehmen und geschehen lassen. Passiv darauf warten, dass meine Zeit irgendwann kommt und wir irgendwann ein bisschen spielen und darauf hoffen, dass dann auch die Dinge geschehen, auf die ich vielleicht auch Lust habe, ist leider absolut nicht meins. Genaugenommen empfinde ich es als äußerst frustrierend. Allerdings nicht auf die gute Weise.

Konkreter:

Subs haben Bedürfnisse und Wünsche. An den Tagen, an denen sie nicht zu dringlich sind, mag es völlig legitim sein, passiv darauf zu vertrauen, Dom:me würde Subs Bedürfnisse von sich aus sehen und zufällig genau das aus der Repertoirekiste zaubern, was Sub in diesem Moment braucht. Das kann gut gehen. Oder eben auch nicht.

Passiv zu warten, mag zeitweise einen eigenen Reiz haben, aber auf Dauer wäre es zumindest für mich absolut unbefriedigend.

Was hindert Sub denn daran eigene Wünsche zu formulieren und darum zu bitten? Ist es die Sorge, ein Wunsch könnte der erste Schritt in eine Richtung sein, die Kontrolle zu übernehmen? Im Grunde ist es erst einmal nur eines: die Äußerung eines Bedürfnisses, gegebenenfalls mit einem Vorschlag, der momentanen hochgradigen Needynes zu begegnen. Ob der Wunsch schließlich erfüllt wird – und auf welche Weise er erfüllt wird – liegt doch dennoch bei der dominanten Seite.

So schön die Vorstellung des märchenhaften Zauberwesens mit hellseherischen Fähigkeiten auch ist, so unrealistisch ist sie leider auch. Dom:me kann mit etwas Übung, Erfahrung, Glück und/oder Empathie sicherlich einiges aus Sub lesen, doch eine offene Kommunikation über Wünsche und Bedürfnisse (beiderseits) kann vor einigen Enttäuschungen schützen. Denn auch Dom:mes Leben könnte wesentlich leichter sein, wüsste der dominante Part, was Sub braucht oder sich wünscht. Gibt Sub keinerlei eigene Impulse, stelle ich es mir ebenfalls frustrierend vor.

Bedürfnisse zu äußern ist nicht passiv.

Die Sinnhaftigkeit von kommunizierten Wünschen betrifft nicht nur das akute Verlangen nach Aufmerksamkeit oder Inputs welcher Art auch immer. Ich kommuniziere regelmäßig, welche Spielarten, Toys und Situationen ich gern ausprobieren oder wiederholen möchte. Ich bringe mich aktiv in die Planung zukünftiger Sessions ein. Auch hier natürlich mit der Maßgabe, die konkreten Entscheidung, des wie und wann und ob dem dominanten Part zu überlassen. Anders würde ich es gar nicht wollen. BDSM ist in meinen Augen eine gemeinsame Reise und nicht das Ziel. Alles was ich auf dieser Reise erleben darf, ist ein Zugewinn. Sich gegenseitig zu Reisezielen zu inspirieren und gemeinsame neue Wege zu finden, ist Teil dieser Reise.

Wünsche zu äußern ist nicht passiv.

Manche BDSMler vertreten die Meinung, passive Submission bedeute, Sub handle nur dann, wenn Dom:me es verlangt und meinen im Gegenzug, aktive Submission bedeute ein Handeln auch ohne Aufforderung mit dem intrinsischen Wunsch zu gefallen.

Ehrlich gesagt kann ich damit nicht viel anfangen, denn jedes Konstrukt einer D/s-Beziehung ist auf den Pfeilern gebaut, die Dom:me und Sub gemeinsam festgelegt haben. In D/s-Beziehungen in denen Dom:me ein wenig Eigeninitiative erwartet, könnte Subs reines Warten auf Anweisungen leicht als Desinteresse gewertet werden.
Wo das reine Befehlsempfangen als Inbegriff der Hingabe und des Gefallens definiert ist, können aktive Handlungen des submissiven Parts durchaus als störend empfunden werden. Ist das nun aber passive Submission? Die Entscheidung passiv abzuwarten ist doch jedes Mal aufs Neue eine Aktive. Muss es meiner Meinung auch sein, denn andernfalls würde es bedeuten, Sub hätte weder einen eigenen Willen, noch eigene Bedürfnisse. Es mag das Bedürfnis sein, jeden eigenen Wunsch hintenanzustellen. Das ist auch vollkommen in Ordnung. Auch dann ist es aber eine aktive Entscheidung.

Der Wunsch gefallen zu wollen ist nach meinem Verständnis ebenfalls eine aktive Entscheidung, auch wenn das beinhaltet, passiv auf Anweisungen zu warten und diese dann zu erfüllen.

Ich kann mir vorstellen, dass genau dieses Abwarten und Hinnehmen Subs als passiv wahrgenommen wird. Allerdings fände ich das ausgesprochen schade und fraglich. Würde Dom:me das so sehen, würde ich mich fragen, ob eben dieser dominante Part vielleicht gar nicht wahrnimmt, welche Prozesse in Sub vorgehen. Würde die Außenwelt es so wahrnehmen, würde es in meinen Augen zeigen, wie wenig eben diese Welt von BDSM versteht.

Passiv wird häufig mit Untätigkeit gleichgesetzt und wertet Sub in einigen Fällen leider auch als den Part ab, der eigentlich gar nichts machen muss, außer zu gehorchen. Manchmal vielleicht noch den Arsch hinzuhalten, wenn Schläge anstehen.

Ich finde das schade, denn das spiegelt ganz und gar nicht das wider, was Sub eigentlich tut und leistet.

Und zum Punkt des Arschhinhaltens: Auch da bin ich nicht passiv. Ich entscheide mich aktiv, stehen zu bleiben, mitzuzählen, auszuhalten. Ich erinnere mich aktiv, warum es diese Schläge gibt und dass es gemeinsame Regeln gab, die dazu geführt haben.

Tatsächlich gibt es aber Momente, in dem ich gänzlich passiv agiere.

Wenn während der Session mein Kopf so freigepustet wird, dass ich keinen klaren Gedanken mehr fassen kann und nur noch funktioniere, wie mein Gegenüber es möchte oder selbst das nicht mehr geht, bin ich vollkommen passiv.

Diese Momente würde es allerdings ohne alle aktiven Anteile davor nicht geben.

Ein Kommentar zu „Über aktive oder passive Submission

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