Vom Gelingen erster Male

Gerade am Anfang wird es im BDSM immer wieder Momente geben, in denen vieles neu ist.

Der Gebrauch von neuem Spielzeug, noch nie erlebte Situationen in ihrer Gesamtheit, völlig unbekannte Gefühle und Gedanken, die damit verbunden sind… Was einerseits spannend und aufregend sein kann, könnte unter Umständen auch erschrecken und beängstigen. Beides und alles dazwischen ist absolut legitim.

Wenngleich es im Laufe der Zeit und mit zunehmenden Erfahrungen vielleicht nicht mehr so viele oder intensive Momente dieses „Alles-neu“- Gefühls geben wird, sind sie nicht auszuschließen und das ist gut so.

Eine Situation die ich selbst kürzlich erleben durfte, möchte ich hier als Beispiel nehmen, damit der Text weniger abstrakt ist.

In diesem Fall war das Corpus Delicti eine Isolationsmaske mit Dildoknebel und Schlössern zum Fixieren. Zu sagen, ich war skeptisch, ist ziemlich untertrieben.

Ich liebe provozierte Hilflosigkeit. Schlösser, Metall und Knebel sind absolut meins und die Kombination dessen in Form der Maske fand ich faszinierend. Aber ich bin auch eitel. Zerzauste Haare und verlaufendes Make-up sind dabei weniger mein Problem. All das ist ja die Reaktion auf etwas, was dem vorausgegangen ist – Schläge zum Beispiel. Ich bin also erst hinterher derangiert.

Die Maske jedoch sah auf den ersten Blick aus wie ein schwarzer, unförmiger Sack. Dazu die winzigen Löcher für die Augen und das große runde Loch, durch den der Knebel gesteckt wird…
Alles in allem glotzte das Ding ziemlich dümmlich und wirkte auf mich alles andere als heiß. Ich möchte mich aber nicht hässlich fühlen, noch bevor es eigentlich losgegangen ist.

Die Sorgen meines Herrn waren wohl gänzlich andere. Da spielte die Befürchtung mit hinein, dass der eng anliegende Stoff und die Riemen bei mir Panik auslösen könnten. Im Zweifelsfall wären die Schlösser nicht mit nur einem Handgriff zu lösen gewesen und sich in Panik mit einem Knebel im Mund zu verschlucken und nicht husten zu können, kann schnell riskant werden.

Wir waren also beide nicht völlig unbefangen, aber eben auch neugierig und so ungeduldig ich manchmal bin, so sehr versteh ich, warum er sich (nicht nur auf die Maske bezogen) an viele Dinge erst langsam herantastet.

Wenn es nach mir ginge, würde ich zu gern gleich „das volle Programm“ ausleben. Die dadurch schwindende Sicherheit ist der eine Punkt. Der andere ist der, dass zu viel Euphorie sowohl die Erwartungshaltung zu hoch schrauben kann, als auch einen recht tiefen Fall provozieren könnte.

Beispiel: Ein (für mich ebenfalls neues) Spielzeug: Ein Analhook. In meiner Phantasie stehe ich mit gefesselten Armen breitbeinig da und werde von einem Vibrator in den Wahnsinn getrieben, während der Hook in meinem Arsch von einer Öse in der Decke gehalten wird.

(Fand ich super. In der Phantasie. Ohne aber zu wissen, wie sich so ein Ding anfühlt, birgt auch das gewisse Risiken und so wie ich es mir vorstelle, ist allein die Drapierung schon etwas aufwändiger. Nach fünf Minuten zu merken, dass der Hook so unangenehm wird, dass er nicht mal mit ausgeprägtem Masochismus länger zu ertragen ist, könnte auf beiden Seiten zu Frust führen. Stattdessen durfte ich ihn auf einem kleinen Spaziergang, fixiert an einer Kette um den Hals, tragen und mich an die von ihm ausgelösten Gefühle gewöhnen. Ich durfte spüren wie es ist, damit Treppen zu steigen und mich zu bücken (Geht nicht). Ich durfte mich herantasten und habe somit auf sanfte Weise herausgefunden, dass meine Phantasie durchaus umsetzbar sein könnte. Aber auch er hat Sicherheit gewonnen, weil ich kommentiert habe, wie sich das Tragen für mich anfühlt. Er hat meine Reaktionen gesehen und nun können wir beide viel besser einschätzen, ob der Haken in Kombination mit Fixierung für eine längere Zeit überhaupt machbar ist. Spoiler: Ja, ich will! ^^)

Aber zurück zur Maske.

Auch hier hat er sich langsam herangetastet. Beim ersten Mal sollte ich sie nur kurz tragen und mich im Spiegel betrachten – nicht hübsch, aber spannend. Vor allem vom Gefühl her, denn sie schränkte meine Sinne massiv ein, während der restliche Körper viel intensiver auf Berührungen reagierte.

Beim zweiten Mal hat er mich leicht fixiert und ich durfte sie länger tragen. In Kombination mit einem Dildoslip und einem ganz großartigen Orgasmus war das schon ziemlich nice und auch das würde ich zu gern für eine längere Zeit erleben dürfen.

Langsames Herantasten hat also dazu geführt, dass wir uns in beiden Fällen vorstellen können, die Accessoires intensiver einzubinden, obwohl zumindest die Maske anfangs eher für Skepsis gesorgt hat.

Der langsame Weg hat mir in jedem Fall geholfen, darüber klar zu werden, was sowohl die Toys, als auch der Umgang damit in mir auslösen. Die Erfahrungen und Empfindungen hatten Zeit zu sacken und ich konnte in mich hineinlauschen, ob sich vielleicht im Nachhinein irgendein Gefühl einstellt, über das wir dringend würden reden müssen. Positiv wie negativ. Ihm hat der langsame Weg die Möglichkeit gegeben, mich und meine Reaktionen besser lesen zu können, aber auch Vertrauen in mich zu gewinnen, dass ich gut zurechtkomme. Denn – und das sollte bei allen Pflichten der Domseite nicht vergessen werden – auch Sub trägt in dieser Hinsicht Verantwortung. Zunächst fürs eigene Wohlbefinden, aber auch für das des dominanten Parts.

Durch die kleinen Schritte kann ich besser einschätzen, ob ein Spielzeug oder eine Spielart für ausgedehntere Momente taugen, ohne das Vertrauen in meinen Herrn oder mich oder gar die Lust zu verlieren.

4 Kommentare zu „Vom Gelingen erster Male

  1. Witzig – bei uns ist es genauso. Ich neige dazu, gleich mit beiden Füßen voran zu springen oder es lieber zu lassen. Mein Mann ist eher vorsichtig und geht es langsam an. Und obwohl ich längst weiß, dass seine Herangehensweise viel besser ist als meine, wünsche ich mir manchmal das volle Programm, weil es eben doch einen anderen Kick gibt. Dann kommt die Vernunft wieder zum Vorschein und ich gestehe, dass mir sein Weg viel besser gefällt, weil er mir Sicherheit gibt. Und die ist ja in einer solchen Beziehung wirklch nicht zu unterschätzen!

    Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..