Über Kaiserschnitte und PDAs

Seit gestern überlege ich, ob ich zum Thema Geburtsschmerz und Kaiserschnitt etwas schreiben soll oder nicht. Nicht weil ich dazu nichts zu sagen hätte, sondern weil es irgendwie nur ganz peripher zum Blog an sich passt.

Schon klar, an die Geschichte mit den Bienchen und Blümchen glauben die wenigsten noch, aber naja ihr wisst was ich meine.
Doch es brodelt in mir. Seitdem jemand bitter spöttisch unter einen Zeitartikel kommentierte, wie viel einfacher es sei, den Bauch aufschneiden zu lassen, als das Baby unter Schmerzen herauszupressen. Vater von vier Kindern, die alle auf natürlichem Weg zur Welt gebracht wurden.

Herzlichen Glückwunsch dafür. Doch weder ist das jeder Gebärenden vergönnt, noch strebt jede werdende Mutter das an. Aus verschiedensten Gründen. Und für keinen einzigen davon, ich wiederhole FÜR KEINEN!!! muss sie sich rechtfertigen.

Schon mal gleich gar nicht vor einem Wildfremden im Internet, der maximal bei einer Geburt daneben gestanden hat. Entschuldigung. Bei vieren.

Und auch wenn es hunderte gewesen wären. Die Entscheidung, auf welchem Weg Frau das eigene Kind zur Welt bringen möchte, ist allein ihre.

So eine Geburt ist nun mal nicht für jeden ein Spaziergang. Ja, auch ich kenne Mütter, die voller Euphorie erzählen, welche spirituelle Reise jede einzelne Wehe für sie war. Und das jede davon sie dem Baby nähergebracht hat. Wie völlig weltverändernd sich der Schmerz der Geburt für sie angefühlt hat und dass sie sich bereits auf weitere Kinder freue.

Das ist toll. Ganz ehrlich? Ich hätte es mir auch so gewünscht. Und ich gönne das auf diesem Weg jeder Frau, die sich entschließt, Mutter werden zu wollen. Nur möchte ich behaupten, dass die Realität für viele Frauen anders aussieht.

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Um das klarzustellen: Ich rede hier von den Geburten, die ICH (aktiv) mitgemacht habe. Das ist sicherlich nicht allgemeingültig und so viele Frauen man zum Thema Geburt und Geburtserfahrungen befragen würde, so viele Antworten und unterschiedliche Berichte würde man bekommen.

Also nochmal: Was ich hier schreibe, sind MEINE Erlebnisse und Empfindungen dabei. Und von den Geburten war keine so unfassbar großartig, dass ich singend und tanzend durch den Kreissaal geweht wäre. Eigentlich waren sie genau das Gegenteil.

Wer also vorhat, in naher Zukunft zu gebären, sollte möglicherweise hier aussteigen.

Ebenfalls, wenn das der erste Geburtsbericht überhaupt sein sollte und noch keine weiteren Erfahrungen gesammelt wurden!

Ich möchte niemandem Angst vor einer Geburt machen! Es gibt sicher viele viele Berichte, die Sorgen nehmen können. Dieser ist wohl in einigen Teilen keiner davon, also hört hier auf und sucht einen anderen!

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Für uns stand nie im Raum, in ein Geburtshaus zu gehen oder gar zu Hause zu entbinden. Das liegt zum einen daran, dass in meinem Teil der Familie viele Babys mit einem Darmverschluss zur Welt kamen, der operativ behoben werden musste und zum anderen, dass es in erreichbarer Nähe nur ein Geburtshaus gibt, in der die Nachgeburt an eine weiße Wand geworfen wird. An den entstehenden Flecken soll zu sehen sein, welche Eigenschaften das Kind haben wird.

Bitte nicht falsch verstehen. Es mag Menschen geben, die auf solche Dinge viel Wert legen. Ich kann damit nichts anfangen und mir ist das suspekt.
(Nein, es liegt auch nicht daran, dass ich mich vor Ausscheidungen, Körperflüssigkeiten und derlei ekele. Mit all dem habe ich jahrelang gearbeitet.)
Es ist schlichtweg nichts für mich und ich wollte die Sicherheit eines OPs. Wie sich herausstellte, war das nicht die schlechteste Entscheidung.

Die Schwangerschaft mit meinem ersten Kind war ein Traum. Bis auf ein bisschen Schwindel in den ersten und Sodbrennen in den letzten Wochen ging es mir hervorragend. Der Ableger kam eine Woche nach dem errechneten Termin.

An dem Punkt war es mir tatsächlich noch fast egal, dass wir keine Hebamme hatten. Niemanden, der uns während der 40+6 Wochen begleitete. Niemanden, der uns von Atemtechniken und Geburtsvorgängen erzählte. Zumindest letzteres war kein Problem. Ich weiß, was bei einer Geburt passiert. Medizinisch.

Zum Zeitpunkt der Schwangerschaft waren schlichtweg alle Hebammen komplett ausgebucht.

Ich habe viel gelesen. Über gesunde Ernährung in und nach der Schwangerschaft, Kindeserziehung, Methoden, Konzepte… was mir in die Finger kam, habe ich verschlungen. Ich wusste in jeder Woche, was sich gerade beim Baby entwickelt. Medizinisches Interesse und so weiter.

Aber eben auch darüber, wie die einzelnen Phasen während der Geburt am besten zu meistern sind und auf welche Zeichen ich achten sollte. Ich fühlte mich vorbereitet.

Abends ging es dann los. Die Wehen kamen regelmäßig – mein computernerdiger Mann hat jede davon mit einer App getrackt, um genau festzuhalten, wie lang sie dauert und wie die Abstände sich entwickelten. Bei einem Abstand von 4 Minuten fuhren wir in die Klinik.

Damit man mich dort kurz untersuchte, mir ein Zimmer gab, mich bat, ruhig zu bleiben (ich war ruhig) und ich schlafen sollte.

Ha! Hahaha! Haha!

Mein Mann fuhr nach Haus und ich lag mit regelmäßigen Wehen wach. Heute weiß ich, dass es hätte schneller gehen können, wenn ich gelaufen wäre. Heute hätte ich so vieles anders gemacht. Damals… nun ja. Ich blieb brav im Bett, bis am Morgen meine Fruchtblase platzte. Wobei platzen das falsche Wort ist. Es war nicht so, dass ich plötzlich in einer riesigen Pfütze stand. Mein Slip war nur nass. So ein heißer Netzschlüpper mit unterarmlanger Einlage darin, in der der Inhalt eines ganzen Tetrapaks spurlos hätte verschwinden können.

Auf meinen Hinweis hin, dass es demnächst dann doch endlich losgehen könnte, wurde ich gefragt, ob es nicht auch Urin hätte sein können. Das Krankenhaus war keines der besseren, so viel steht fest, aber wie gesagt… der OP war gut. Aus Erfahrung.

Es folgte ein erneuter Ultraschall und ein CTG (Kardiotokografie: Herztöne des Babys und Wehenmesser). Der Muttermund war zu dieser Zeit bei 5cm.

Zur Info: Hebammen sagen, dass sich der Muttermund bei der Geburt pro Stunde um etwa 1cm öffnet. Die sogenannte Eröffnungsphase endet bei 10cm und dauert demnach (bei Erstgebärenden) ± 10 Stunden. Die genauen anatomischen Fakten erspare ich euch an der Stelle. 😉

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass ich weiter als diese 5cm gewesen wäre, wäre ich gelaufen. Weil die Erdanziehung das Baby gegen den Muttermund gedrückt hätte und (vermutlich) dafür gesorgt hätte, dass er sich weiter öffnet. Aber wie es so oft ist: Hätte, wäre, könnte.

Ich war also bei 5cm und der Feststellung, dass Ableger Nummer 1 sich im Bett gedreht hatte. Nicht mit den Füßen nach unten – so viel Platz war trotz der beachtlichen Murmel nicht mehr – aber mit dem Gesicht nach oben. Man sagt Sternengucker dazu, denn idealerweise schauen Babys bei der Geburt in Richtung Anus der Mutter. So können sie die Passage durch den Geburtskanal mit dem Hinterkopf beginnen. Die Fläche dabei ist wesentlich kleiner, als würden sie mit der Stirn starten.

Ich wusste das und hatte Panik, doch meine Hebamme im Kreissaal war großartig. Sie sagte mir, wir schaffen das und hat mich extrem aufgebaut. Also habe ich jede Wehe so gut es ging durchstanden und daran geglaubt, bald mein Baby im Arm halten zu dürfen.

Immer wieder hat sie den Muttermund abgetastet und heilige Scheiße ich habe jedes Mal gedacht, es zerreißt mich. Nach weiteren 5 Stunden (wir hätten bei 10cm sein müssen – ihr erinnert euch?) waren wir bei 7.

Ich kann nicht mal genau sagen was passiert ist, ich bin zusammengebrochen. Ich konnte einfach nicht mehr. Da war das Wissen, dass nicht einmal die Eröffnungsphase geschafft war. Zudem war ich seit mehr als 36h wach, hatte seit 16h Wehen und es war kein Ende in Sicht. Und plötzlich begannen die Presswehen. Bei 7cm und einem Sternengucker ist das übel.

Es ging alles sehr schnell. Der Arzt klärte uns über die OP auf und ich wurde sofort hineingeschoben.

Mein Baby in den Armen halten, es fühlen, den ersten Schrei hören, es anlegen und stillen und die Wärme spüren, während es wie ein kleines faltiges Paket auf mir liegt… das wollte ich. Keine Vollnarkose.

Also nahm ich die Spinalanästhesie. Dabei wird das Narkosemittel mit einer Nadel ins Rückenmark gestochen. Gar nicht so einfach, wenn man trotz Wehenhemmer heftigst zu kämpfen hat. Neben meiner Angst ums Kind kam die Sorge dazu, dass ich praktisch nicht still sitzen konnte. Die letzte merkbare Wehe habe ich in den Armen meiner Hebamme verbracht, die mir immer wieder sagte, ich dürfe mich nicht rühren, weil das Mittel noch nicht vollständig injiziert (und damit die Nadel noch in mir) war.

Danach wurde es ruhiger. Das Mittel wirkte. Nur leider nicht vollständig. Sie schnitten meinen Bauch auf, trennten die Gewebeschichten und rissen mich. Denn faserige Enden verheilen besser als glatte die ein Skalpell verursachen würde. Und ich spürte es. Wieder war es, als würde ich von innen in Stücke zerteilt. Auf einen Test hin, konnte ich meine Zehen bewegen und das sollte definitiv nicht so sein. Mein Mann wurde aus dem OP geworfen und keine 10 Sekunden später war ich komplett weg.

Wenig später kam ich im Aufwachraum zu mir, durfte aber das Baby noch nicht haben. Dafür war ich wohl noch zu weggetreten. Es dauerte noch weitere 5 Stunden, bis ich meine Beine wieder spürte und endlich den Zwerg halten durfte.

Noch am selben Tag musste ich aufstehen und ja, ich weiß, was Frühmobilisation ist. Ich weiß, wie wichtig das ist, aber mein Kreislauf war einfach im Arsch. Schon beim Hinsetzen auf dem Bett bin ich immer wieder zusammengesackt. Auch Tage später konnte ich nicht aufrecht gehen. Die Schmerzen der Narbe hatte ich etwa 2 Wochen, davon die ersten 10 Tage so intensiv, dass ich nicht allein aufstehen konnte.

So ein Kaiserschnitt ist also eine unglaubliche Erleichterung, nicht wahr? Unbedingt einer „normalen“ Geburt vorzuziehen.
Dabei fallen nicht nur die Schmerzen, die jeder Mensch sicherlich anders wegsteckt, ins Gewicht. Auch der Milcheinschuss kann mitunter verzögert sein. Es wird vermutet, dass das mit dem veränderten Hormonhaushalt zusammenhängt. Ich hatte nicht dieses wundervolle „Oh da bist du endlich mein bildschönes Baby und die Schmerzen haben sich gelohnt“-Gefühl. Im Gegenteil

Es fühlte sich an, als hätte ich versagt. Obwohl ich weiß, wie unsinnig das ist. Ohne die Möglichkeit einer Sectio wären weder das Baby noch ich heute vermutlich auf der Welt. Ich habe nicht versagt. Mein Körper hat nicht versagt. Ich weiß das. Aber…

Den Milcheinschuss hatte ich 3 Tage später. Nur wollte der Zwerg nicht so lange warten. Immer wieder habe ich – unter Anleitung einer Hebamme – angelegt. Bis meine Brust blutig und offen war. Das war es dann auch mit Stillen. Danach kam so gut wie nichts mehr.

DOPPELT VERSAGT.

Mein Kind wäre ohne moderne Medizin gestorben und ernähren konnte ich es auch nicht. Großartiger Start. Wunderbare Mutterqualitäten! (I know, I know!)

Was für eine Erleichterung so ein Kaiserschnitt! Er bringt nur Vorteile… Was war ich „woke“. Die moderne Frau von heute!

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Da mein Mann und ich aber schon recht früh wussten, mehr als ein Kind haben zu wollen und die Erinnerung an eine Geburt an sich eben glücklicherweise doch irgendwann verblasst, wurde ich zwei Jahre später erneut schwanger. (Ja, es war ein Wunsch- und Plankind, genauso wie Zwerg 1 auch!).

Es halten sich ja die Gerüchte, dass ein Geschwisterkind IMMER per Kaiserschnitt geholt werden muss, wenn das Erste bereits dank Sectio zur Welt kam. Dem ist nicht so. Zumindest nicht grundsätzlich. Es wird geraten, nach einer Sectio mindestens 1 Jahr zu warten, bevor eine weitere Schwangerschaft beginnt. Aus dem einfachen Grund, dem Körper genügend Zeit zu geben, zu heilen und das Narbengewebe zu stabilisieren. (Ja, es gibt weitere Gründe, aber die führten jetzt zu weit.)

Diese Narbe wird dann vor der zweiten Geburt genaustens untersucht. Wichtig ist, wie dick und stabil sie ist. Ob sie unter Spannung steht. Denn würde sie bei der Geburt reißen, wäre das für beide – Mutter und Kind – lebensbedrohlich.

Was war ich froh, als es hieß, ich dürfte eine natürliche Geburt versuchen. Mir wurde eine PDA (Peridualanästhesie: auch hier wird Betäubungsmittel gespritzt) empfohlen, um die Narbe zu schonen. Sprich um Anspannungen in diesem Bereich weitestgehend zu meiden.

Und auch hier stoßen mir die unqualifizierten Kommentare unter dem Zeitartikel auf:

Diese Spritze ist eben auch kein Spaziergang. Klar, sie nimmt vielleicht einen Großteil der Schmerzen, aber sie führt eben auch oft genug dazu, dass die Bauchpresse der Mutter zu schwach ist oder an den falschen Stellen ausgeführt wird. Also der Druck, den die Mutter ausübt, um das Kind aus sich heraus zu drücken. Das ist nicht selten, denn wenn sie die Wehe nicht spürt und auf Kommando presst, ist das mitunter ein himmelweiter Unterschied. Dann kommt der Druck von einer anderen Person. Das nennt sich Kristellern. Dabei wird das Kind von außen manuell aus dem Bauch der Mutter heraus geschoben. Das sieht brutal aus und ist es (meiner Meinung nach) auch.

Für K2 wurde bei mir auch ohne PDA kristellert und wenn sich dort eine 100 Kilogramm schwere Ärztin über einen beugt und mit ihrem ganzen Gewicht die Lunge der werdenden Mutter abdrückt, während die versucht, das Baby aus sich heraus zu jagen, ist das ein absolut beschissenes Gefühl.

Zu der Zeit lag ich etwa 12 Stunden in den Wehen und war etwa 40 Stunden wach.

Nach zwei Versuchen, den Zwerg aus mir zu kristellern, hab ich sie verjagt und den Rest allein gemacht. Mit einer PDA wäre das nicht möglich. Im Schnitt versuchen sie es dann 3-4 Mal bevor dann doch operiert wird.

Was eine Erleichterung so eine PDA!

Und an der Stelle möchte ich sagen: jede Frau, die sich vor oder im Verlauf einer Geburt für eine PDA entscheidet, hat ein fucking Recht dazu!

Geburtsschmerzen sind kein Spaziergang und ja, das kann extreme Angst verursachen. Nicht jeder geht da ran, als wäre es ein Theaterbesuch. Aus welchen Gründen auch immer frau ja zur PDA sagt: ES IST IHR RECHT!!!!

Das Baby kam und war abgesehen von einem ziemlich ausgeprägten Gelbstich fit und munter. Auch hier: keine Milch. Es stellte sich heraus, dass ich so gut wie keine Milchdrüsen besitze. Wieder setzte das Gefühl vom Versagen ein. Allerdings mit dem Wissen, dass auch Flaschenkinder problemlos groß werden 😉. Was hatte ich für Diskussionen deshalb…

Sooo…

Was hatten wir jetzt?
Kaiserschnitt ist einfacher!
PDA ist auch ziemlich cool und easy!

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Schauen wir uns doch Komplikationen einer Kaiserschnittnarbe an. Mit K3 (jaja…) durfte ich diese Erfahrung auch erleben.

Die Schwangerschaft verlief im Grunde ganz normal. Abgesehen davon, dass meine Finger nachts immer taub wurden und ich das erste Drittel über regelmäßig zu allen Tages- und Nachtzeiten über der Toilette gehangen habe. Aber ja, auch das ist irgendwie nicht ungewöhnlich.

Doch es gab Dinge, die wirklich grundlegend anders verlaufen sind, als noch in den ersten.
Ich wusste NIE (!) in welcher Woche ich war. Auch nicht, ob sich nun grad die Wimpern entwickelten oder wie groß das Zwerglein im Vergleich zu einem Obst war. (Ja. Es gibt Apps, die vergleichen die embryonale Größe sehr bildhaft mit Obst. Litchi – Kiwi – Papaya – Melone.)

Das wusste ich zu wirklich keinem Zeitpunkt. Meine Beste hat mich eine Woche vor dem Entbindungstermin daran erinnert, dass wir noch immer kein Babybauchshooting gemacht hatten. Zu dem Zeitpunkt hatte ich auch noch nicht alle Sachen besorgt…

Auch der Tag der Geburt kam irgendwie überraschend. Nicht weil ich ihn vergessen hatte, sondern weil die Zeit so gerast war.

Dabei lief während der Geburt selbst alles wunderbar. Ich bin durch die Flure gelaufen, hab vorn über gebeugt die Wehen durchatmet. War nach 7 Stunden bei 10cm und hab das Baby rausgepresst.

Bämm!

Nur die Nachgeburt kam nicht. Die Plazenta, die vom Körper nach der Entbindung abgestoßen wird. Ein kleines wabbeliges Organ, das über Monate hinweg das Baby versorgt hat.

Sie kam einfach nicht und ich wusste, dass sie kommen müsste, tat sie aber nicht.

Die Hebamme wurde zunehmend unruhiger. Ich nicht. Ich entspannte immer mehr. Was schlecht ist. Denn solange die Plazenta noch irgendwo festhängt, blutet frau. Der Körper versucht sie abzustoßen, doch sie war verwachsen mit der Kaiserschnittnarbe. Das wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht, aber was ich wusste war, dass ich nicht mehr nach außen blutete. Denn die Plazenta liegt hinter dem Muttermund und der schließt sich nach etwa einer Stunde wieder, wodurch sie nicht mehr rauskommen kann. Nach innen blutete ich weiter. Mein Mann wurde aus dem Kreissaal gebracht – unser Baby auf dem Arm. Und ich wurde noch ruhiger.

Ich hatte keine Kraft mehr und Schwierigkeiten, wach zu bleiben. Das passiert ab einem gewissen Punkt. Dem Arzt, der auf das OP-Team wartete, habe ich noch gesagt, dass die bald nicht mehr kommen bräuchten. Er blieb die ganze Zeit bei mir, aber das habe ich nicht mehr gemerkt.

Später bin ich immer wieder aufgewacht. Für Sekunden. Habe registriert, dass ich wohl doch noch lebe und bin wieder weggedämmert. Es waren nicht ganz zwei Liter die ich verloren hatte und die mit Glukose wieder aufgefüllt wurden.

Dieser Kontrollverlust hat sich ganz ganz seltsam angefühlt. Weil ich nicht allein die Kraft hatte, dagegen anzukommen und ihn auch nicht GEWOLLT habe. Dazu habe ich noch immer das Bild im Kopf, wie der Arzt seinen Arm in mir gehabt haben muss, um durch den geschlossenen Muttermund hindurch zu kommen, um die Plazenta manuell zu lösen. Nein, das habe ich natürlich nicht gesehen, ich war bewusstlos. Aber mein Kopf zaubert mitunter sehr plastische Bilder…

So ein Kaiserschnitt… völlig risikoarm und absolut zu empfehlen, als moderne Frau von heute, die sich den Schmerz der Geburt ersparen will.  

Meinem Baby ging es gut.

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Allen Kindern geht es heute sehr gut. Mir auch.
Wir wollten drei und dabei bleibt es.

Wenn ihr bis hier durchgehalten habt: Danke fürs zuhören.

Das hier ist kein Mimimi! Ich bin heute fein damit. Ich weiß, was bei den Geburten schiefgelaufen ist und dass sicherlich nicht alles optimal war. In vielerlei Hinsicht.

Könnte ich es mir heute aussuchen, würde ich spontan auf natürlichem Weg gebären aber, ich verstehe jede Frau, die Angst vor den Schmerzen der Geburt hat und habe vollstes Verständnis für jede Frau, die einen Kaiserschnitt oder eine PDA plant.

Alles davon hat Vor- und Nachteile und Menschen, die darüber urteilen, wie frau gebären möchten, sind mir zutiefst zuwider. Denn sie vergessen augenscheinlich, dass die meisten Frauen nicht heute wissen, dass sie schwanger sind, morgen die Geburt planen und einen weiteren Tag später entbinden.

Neun Monate sind verdammt lang. Vor jedem Eingriff werden Arztgespräche geführt. In den meisten Fällen begleitet eine Hebamme die Schwangerschaft und trägt mit ihren Erfahrungen zur Entscheidungsfindung bei und ich möchte behaupten, dass der Großteil der Frauen nicht aus einer Laune heraus entscheidet, auf welche Art sie wo entbinden möchte.

Das Eine als besser oder schlechter hinzustellen finde ich schon fraglich, wenn die Gründe für eine Entscheidung nicht bekannt sind. Die werdende Mutter allerdings abzuwerten und als „Jammerlappen“ (sic.) zu bezeichnen, ist schlichtweg das Allerletzte.

Niemandem steht es zu, über andere Menschen zu urteilen. Punkt!

11 Kommentare zu „Über Kaiserschnitte und PDAs

  1. Sehr mutig, dieser Text. Du bringst mich, wie so oft, zum Denken.
    Und ich finde, dass er absolut zum Thema deines Blogs passt. Es geht um Frauen und ihre Körper. Um Sexualität. Um Kontrolle, Kontrollverlust und Selbstbestimmung. Könnte thematisch nicht richtiger sein.

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  2. Ich fühle mich glatt dazu ermutigt, selbst darüber zu schreiben, wie ein Vater eine Geburt unterstützend begleiten kann. Also das übliche Bild, dass er weg geschickt wird habe ich schon oft gesehen / gelesen / gehört. In meinem Fall weiß ich aber, dass es meiner Frau das wichtigste war mich dabei zu haben. Einfach weil ich ihr gut Halt geben konnte. Zudem kann der Vater gegenüber dem Krankenhauspersonal ein vertrauter Ansprechpartner sein, z.b. wegen Schichtwechseln…
    Selbstverständlich ist das der Moment, wo Mann wissen muss, dass er sich unterzuordnen hat. Das nicht jeder mit der Situation klar kommt und es für viele eine Erleichterung sein kann weg geschickt zu werden kann ich verstehen. In meinem Fall waren es aber auch sehr intensive Beziehungserfahrungen für uns.

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    1. 🌹 Ja, ich denke, das ist von Begleitperson zu Begleitperson unterschiedlich. Meine Hebamme seit Kind zwei sagte: „Der Mann hilft euch gar nichts, wenn er auf dem Boden liegt, weil es ihn überwältigt hat! Dann lasst ihn Kaffee holen und findet euren gemeinsamen Weg!“
      Ich bin dankbar, dass mein Mann bei mir war, auch wenn ich ihn zwischendurch für seine Anteile an der Schwangerschaft wirklich verflucht habe…
      Ja, die Erfahrung ist für beide Seiten definitiv spannend und kann dazu führen, ganz neue Seiten an sich und der anderen Person zu entdecken.
      Danke für die Einblicke!

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  3. Einiges erinnert an die Geburt unserer Tochter, bei der ich von Anfang bis Ende dabei war und noch das ein oder andere mitbekommen habe, was meine Frau mangels Bewusstsein nicht mitbekommen hat. Ich glaube, ich hatte es auf Twitter schon mal beschrieben.
    Die Geburt fand 1989 statt, und vaginal zu entbinden so „natürlich“ wie möglich, also ohne PDA, galt sowohl bei den Hebammen als auch im Vorbereitungskurs quasi als Königsklasse und Stillen selbstverständlich im bezug auf die Ernährung ebenso.
    Man verzeihe mir den Sarkasmus, aber ich bin heute bisweilen noch ungehalten, wenn ich daran denke, was uns damals eingeredet wurde, und und bei uns, natürlich in erster Linie bei meine Frau aber auch bei mir im Nachhinein zum Gefühl des versagt habens geführt hat. Bei meiner Frau, weil sie es nicht geschafft hat, das Kind aus eigener Kraft zur Welt zu bringen und nicht stillen konnte, bei mir, weil ich mich als nicht der Begleiter empfunden habe, der ich gern gewesen wäre.

    Ich zähle nicht mehr die Details des Verlaufs auf, nur so viel: Aus der naiv gedacht natürlich harmonischen Geburt wurde, 14 Tage überfällig ein Chaos ohne Ende, Geburtsstillstand, Verschlechterung der Herztöne, oben drücken (kristellern) und unten mit der Saugglocke ziehen, trotz Dammschnitt ein Dammriss 4. Grades, mit massivem Blutverlust der ihr fast das Leben gekostet hätte. Stillen klappte natürlich nicht, aus Schwäche und wegen des Drucks, der trotzdem in der Beziehung aufgebaut wurde. Und am Ende fühlten wir uns schuldig.

    Nun war es nicht so, dass meine Frau, weil sie es nicht mehr aushielt, nicht um eine PDA gebeten oder besser gefleht hätte und kurz vor der Gewaltgeburt am Ende nicht einen Notkaiserschnitt der Saugglockengeburt vorgezogen hätte. Nur war es leider so, dass für das erste gerade kein Anästhesist zur Verfügung stand und für das zweite (zumindest erklärte man uns das so) kein Saal zur Verfügung stand, da bereits ein anderer Kaiserschnitt und andere OPs liefen. Selbstverständlich hätte man auch von vornherein vereinbaren können, aber einer gewissen Überschreitung des Termins einen Kaiserschnitt vorzuziehen. Das kam aber gar nicht in den Sinn, weil es eben als „unnatürlich“ galt.

    Unsere Tochter ist lange erwachsen, mangels der Möglichkeit des Stillens durfte ich sie mit „ernähren“, was meiner Beziehung zu ihr sicher nicht abträglich war. Ja, und sie hatte das ein oder andere Problem, und dann immer wieder kam die Frage nach dem Stillen und der von uns als gewaltsam erlebten Geburt hoch. Was wäre, wenn alles anders gelaufen wäre?
    Es ist uns rational klar, dass wir nicht falsch gemacht haben können, weil wir schlicht nichts anderes tun konnten. Aber bis heute, im Renten- bzw. fast Rentenalter, kommt diese Geschichte immer mal wieder hoch.

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    1. 🌹Danke für deine Geschichte!🌹
      Ja, dieser Druck ist furchtbar und er hilft einfach nicht. Es tut mir leid, all das zu lesen! Da ist so viel was hätte besser laufen können und ich würde gern sagen, dass es heute anders ist. Das wäre gelogen.
      Nein ihr habt nichts falsch gemacht! 🌹

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  4. Danke für jedes Wort. Habe keine Kinder, kann NICHTS dazu sagen, nur danke das Du das geschrieben hast. Ich habe wieder was gelernt und evtl. an der eigenen Einstellung was verändert. Und es ist schön das Du alles überstanden hast, was zeitweise doch ziemlich heftig klang. Danke dafür.

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      1. Von Herzen. In Zeiten in denen Außenstehende solche Kommentare verfassen, in denen Hebammen langsam „aussterben“ und die Geburt ein Geschäft nach Zeitplan ist, sollten das vile mehr Menschen lesen.

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