Pax tibi, Leone!

Ein etwas anderer Beitrag über einen ganz besonderen Menschen.

Bildausschnitt:
„Lion of St. Mark“
– Cima da Conegliano

Mach mich zum Wächter deiner Weiten,
mach mich zum Horchenden am Stein,
gib mir die Augen auszubreiten
auf deiner Meere Einsamsein;
lass mich der Flüsse Gang begleiten
aus dem Geschrei zu beiden Seiten
weit in den Klang der Nacht hinein.
Schick mich in deine leeren Länder,
durch die die weiten Winde gehn,
wo große Klöster wie Gewänder
um ungelebte Leben stehn.

R. M. R.

Im blauen Wald lerne ich viele faszinierende Wesen kennen. Mit manchen laufe ich ein Stück weit, andere kreuzen immer mal wieder meinen Weg und dann gibt es die, die zu engen Begleitern geworden sind. Wesen, die mir den Rücken stärken oder sich vor mich stellen, wenn diese doch noch neue Welt einfach zu viel wird. Die, die mich bremsen, wenn eine gewisse Unbeherrschtheit hervorkommen möchte und solche, die im Sonnenschein lachend und kichernd mit mir auf einer Lichtung sitzen, den anderen Vögeln lauschen oder mit der Laute selbst Musik anstimmen.

Und dann gibt es da diesen einen Waldbewohner. Kein Vogel, kein Wolf, ein Nymph auch nicht. Dennoch wäre der Wald ohne ihn ein anderer.

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Es fiel mir erstaunlich schwer, über dieses Wesen zu schreiben. Dabei hatte ich von Anfang an das Gefühl, er würde mit offenen Karten spielen. Keine Spielchen, sondern ein offenes Gespräch mit viel gegenseitigem Respekt. Ohne Druck, ein entspanntes Abklopfen. Ein Kennenlernen, oberflächlich. Ein bisschen flirten, weil ich das gern tue. Um zu sehen, wohin das Gespräch führen soll. Um ein Stück weit den Menschen hinter dem Account zu entdecken. Um zu sehen, auf welcher Ebene wir uns unterhalten und ja, um herauszufinden, was mein Gegenüber erwartet. Von mir. Vom Gespräch.

Und trotzdem verstand ich es nicht. Natürlich, die Texte und Bilder im Blog und im Twitter wecken bei dem einen oder der anderen Sehnsüchte, Wünsche, vielleicht Erwartungen. Das ist mir bewusst. Und zugegeben, ich spiele auch damit.

Doch die Gesprächseröffnung war nicht anzüglich, wie die meisten anderen in den PMs. Nicht betont locker, um dann doch schnell die Kurve zum Sexuellen zu finden. Sie war offen, direkt, ehrlich und das Schreiben machte mir Spaß, denn viel zu oft verliere ich die Lust an manchen Konversationen. Hier nicht.

Er machte mich neugierig. Also sah ich mir an, wer ihm folgt. Was meist viel aussagekräftiger ist, als zu schauen, wen eine Person selbst liest. Was ich da sah, verunsicherte mich.

Viele von den wirklich bunten und laut zwitschernden Vögeln standen in dieser Liste und zu dem Zeitpunkt, als ich mich selbst über fabulöse 400 Follower gefreut habe, fragte ich mich, warum ein unaufdringlicher, netter Mensch, mit einer doch recht illustren Liste an Verfolgern, mit mir Gespräche über Kaffee und Sport führen möchte (wovon ich weniger als Null Ahnung habe).
Ich verstand es nicht und habe eine ganze Weile vermutet, dass es ein Abklopfen sein könnte. Eine nicht gestellte, aber dennoch im Raum stehende Frage.

„Wie echt bist du? Was steckt dahinter?“

Vielleicht war es das. Um ehrlich zu sein, weiß ich das bis heute nicht sicher. Aber das ist in Ordnung. Wir schreiben noch immer. Also habe ich den Test (??) vielleicht bestanden. Und mittlerweile ist es mehr. Es geht tiefer, ist intimer.

Er ist da. Immer. Ein wunderbares Gefühl. Weil es mir im manchmal doch finsteren Wald Sicherheit und Ruhe gibt. Weil ich weiß, dass es dort jemanden gibt, der mir mit kühlem Kopf und einem guten Rat zur Seite steht und der mit wachem Blick schon im Vorfeld viele Dinge erkennt, die ich vielleicht nicht gesehen hätte.

Warum ist das so?

Nicht nur die Erfahrung und das Wissen um die zahlreichen Wege im Wald ermöglichen ihm dies. Er ist aufmerksam. Überblickt so manche fragwürdigen Accounts, verfolgt Vögel, die vermehrt anzügliche und unpassende Replies unter Bilder und Texte zwitschern. Dass er da den Überblick behalten kann, finde ich mehr als bemerkenswert.

Die Antwort auf die Frage, wie ich ihn beschreiben würde, ist schnell beantwortet, denn auf so vielen Ebenen passt der Löwe einfach perfekt. Ein Löwe mit Flügeln.

Die braucht er für diesen Überblick, wenn er über dem Wald seine Runden fliegt.
Er passt auf. Auf seine Herde – vorrangig auf die Weibchen – und ich fühle mich geehrt, irgendwie wohl auch dazu zugehören. Wenn ich unsicher bin, Fragen habe, Dinge nicht verstehe, dann ist er da. Das weiß ich sehr zu schätzen, auch wenn ich es nicht oft genug sage.

Er ist vielleicht kein Alphalöwe, bei dessen Gebrüll der Wald den Atem anhält, doch den Anspruch hat er wohl auch nicht. Er ist ein Ratgeber im Hintergrund, der dennoch präsent ist, auch wenn er sich wachsam im Schatten der Bäume bewegt oder fliegt, um eben besser auf seine Vögel und Nymphen aufpassen zu können.  

Er weiß, wie sehr er dafür geschätzt wird. Doch genau dieses Aufpassen aus der Ferne macht ihn auch manchmal recht einsam. Weil er die „Herde“ in der Peripherie umkreist.
Einsam, gerade dann, wenn es ruhig im Wald wird. Wenn die Nymphen und Vögelchen schlafen und es „sicher“ für sie ist.

Dann kommt das Verspielte in ihm hervor. Das Kuschelige, Wärmebedürftige. Dann sucht er nach Nähe. Vielleicht eine Seite, die er nicht oft zeigt, weil es ihn auch in gewissem Rahmen verletzlich macht. Bei der er nicht sicher ist, ob und wann er sie zeigen kann, ohne dabei Schaden zu nehmen. Weil auch er schon Zähne und Klauen anderer Waldbewohner zu spüren bekommen hat und die Wunden noch nicht verheilt sind.

Ein wunderbares Wesen, dass sich genügsam gibt, auch wenn der Wunsch nach mehr so deutlich zu sehen ist. Ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass mein Löwe das was er anderen gibt mindestens in gleichem Maße zurückbekommt. Denn er verdient so viel mehr. In allen Bereichen.

Danke!

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