Tanzen, singen, spielen – Teil 2/3

Mein sehnsüchtiges „mhhhh“ klingt durch den Raum. Lauter als erwartet und das plötzliche Durchdringend er Stille lässt mich erschrocken zusammenfahren. Die Enge in mir drückt dadurch noch deutlicher gegen mich. Jedoch lässt mich die abrupte Bewegung auch den Kiefer anspannen.


Hatte ich bisher versucht, diesen unglaublich nervigen Knebel weitestgehend zu ignorieren, wird er mir nun umso deutlicher ins Gedächtnis gerufen.

Im gleichen Maße wie er mich stört, verabschiedet sich die Durchblutung meiner Beine und ich überlege ernsthaft, ob du es sehen würdest, würde ich mich bewegen. Würde ich die Position ändern…

„Dreimal extra Pumpen für jeden Stellungswechsel, Kitty. Überleg es dir gut!“

Du siehst es. Natürlich siehst du es. Du bist aufmerksam. Das bist du immer. Beinahe hätte ich vor Verärgerung die Fäuste geballt. Ärger über mich selbst. Über meine Naivität, dich täuschen zu können. Auch das siehst du und lachst leise. Weil du weißt, dass jedes zusammenballen der Hand den Plug vergrößern würde.

Ich bin nicht sicher, ob ich das noch möchte. Der Druck ist noch angenehm. Noch. Doch es folgen weitere drei, bis die Stunde abgelaufen ist. Oder vier? Wenn ich zu schnell gezählt habe? Vielleicht weitere extra, wenn ich zu langsam war? Die Ungewissheit lässt mein Herz erneut schneller schlagen. Aber es ist erst die Hälfte der Zeit um. Grob geschätzt und mein Ehrgeiz lässt mich verharren. Mit schmerzendem Kiefer, schmerzenden Beinen und einer wachsenden Gier zwischen den Beinen. Aber ausharrend.

„Ich genieße, dass du dich zwischen zwei Übeln entscheiden musst!“, klingt deine Stimme zu mir und ich höre das Lächeln daraus hervor.

Mein neuerliches Stöhnen, die süße Qual darin muss dir mehr als deutlich zeigen, dass es auch mir so geht.

600.

Es ist eng. Nah an der Grenze zu nicht mehr gut eng. Ich möchte die Zähne zusammenbeißen und verfluche den Knebel einmal mehr. Obwohl ich es schon mehrfach versucht habe, bemühe ich mich, ihn herauszuschieben, doch er sitzt zu eng. Mein frustriertes Jammern – ja mittlerweile ist es das geworden – klingt gedämpft und ich versuche, durch das Zurücklegen des Kopfes Erleichterung zu finden. Eine Haltung zu finden, die weniger unangenehm ist. Doch jede noch so kleine Bewegung lässt mich den Plug in mir deutlich spüren.

Zugleich wächst die Hoffnung, die nächsten 20 Minuten zu überstehen.

Dennoch ist es seltsam. Obwohl ich mich nach deiner Berührung sehe, spüre ich dich. Irgendwo in meiner Nähe und das Wissen ist kostbar.

Ich weiß, dass du auf mich Acht gibst.

600.

Ich müsste pumpen, doch ich kann nicht. Meine Hand zittert unkontrolliert, weil ich weiß, dass mich der nächste Hub gefährlich nah an meine Grenze bringen wird. Aber grade diese Erfahrung ist es, die mich zusätzlich reizt.

Ich gebe zu, es nicht gewohnt zu sein, meine Schmerzen eigenhändig zu steigern. Ich kann sie empfangen und annehmen, wenn mein Gegenüber das möchte, doch ich habe sie mir in dieser Form noch nie selbst zugefügt. Noch vor einer Stunde hätte ich nicht geglaubt, ein solches Spiel mitzuspielen. Es mitspielen zu wollen. Denn genau das ist es. Ich will es. Fuck ja. Und ich will, dass du mir dabei zusiehst, wie ich gefesselt, geknebelt und blindfolded die Klippe hinaufsteige. Allein der Gedanke macht mich an. Auf eine seltsame, düstere Art. Auf eine lustvolle Art, die ich so bisher nicht kannte.

Als ich endlich den Ball in meiner Faust zusammenpresse, ist das Stöhnen in den Knebel eine Mischung aus Lust und Schmerz. Laut und flehend. Dabei wüsste ich selbst nicht, wonach. Nach Mehr? Nach Erlösung? Nach dir?

Der Laut jagt mir selbst einen Schauer über den Rücken.

Ich spanne mich unter dem Druck an, was die Situation nur verschlimmert. Krampfhaft versuche ich mich zu entspannen. Komme mit dem Zählen durcheinander und versuche mich trotzdem nur darauf zu konzentrieren, um meinem Körper zu entfliehen, doch ganz gelingen will mir das nicht.

Mit der leeren Hand versuche ich zu rekapitulieren, wie viele Hübe noch kommen und verzweifele daran. Unsicher, ob ich mich verzählt habe oder nicht. Es müsste noch einer sein. Müsste. Ich weiß nicht, wie ich den überstehen soll. Um ehrlich zu sein, weiß ich es nicht einmal vom jetzigen Moment. Mein Kiefer schmerzt mittlerweile so stark, dass meine stoßweisen Atemzüge von gelegentlichem Schluchzen begleitet werden. Wiederum lässt mich Anspannung den verfickten Plug in mir noch deutlicher spüren, sodass sich der Schmerz mit jeder Bewegung potenziert.

Ich versuche, ihn aus mir herauszudrücken, doch es gelingt mir nicht. Und zum ersten Mal frage ich mich, ob es eine gute Idee war, dieses Spiel zu spielen.

Mein Verstand ist noch immer wach und ich weiß, dass es nur einer einzigen Geste bedürfte und du wärst bei mir. Nur ein Zeichen von mir und du würdest abbrechen. Aber will ich das?

Ist es nicht genau das? Das Gefühl, keine Kontrolle zu haben? Seit Beginn der Stunde habe ich immer wieder versucht mir einzureden, dass es meine Entscheidungen sind. Das Pumpen, alles.

Sie sind es nicht. Nicht ausschließlich. Weil ich es nicht nur für mich tue und DAS verwundert mich. Derart intim spiele ich sonst nur mit IHM. Ich will mich dir beweisen. Durchhalten, den nächsten Schritt gehen, weitermachen. Für mich, ja. Aber eben auch für dich.

Vielleicht wird mir das erst jetzt richtig bewusst. Ebenso wie die Tatsache, dass du mich an Grenzen führst, die ich so zuvor nicht einmal gesehen habe. Und es fühlt sich gut an.

Da ist sie wieder. Die Ambivalenz. Ich will es und verwünsche es zugleich. Die Fesseln sind wirklich störend. Selbst wenn ich wollte, würde ich den Plug vermutlich allein nicht ablassen können.

Diese Qual, selbstgemacht und gleichzeitig fremdbestimmt… sie ist großartig.

Keine Ahnung was dich letztendlich dazu bewegt hat. Vielleicht siehst du meinen neu erwachten Genuss, vielleicht erweckt es deinen Spieltrieb und den Wunsch, die Schwierigkeit zu erhöhen.

„Wirklich nicht schlecht, Kitty!“, ich höre dein Schmunzeln und dein Tonfall… beides lässt mich keuchen. Soweit das der Knebel zulässt. Verlockend und düster zugleich und mein Herz schlägt augenblicklich schneller.

„Ich ändere die Spielregeln!“

Ein Moment der Resignation lässt meine komplette Körperspannung in sich zusammenfallen. Weil ich damit nicht gerechnet habe und das weißt du. Weil ich mich gerade erst mit der aktuellen Situation arrangiert habe. Auch das weißt du. Weil mein Körper ausspricht, was mein Geist noch nicht verstanden hat. Das ich mehr will. Mehr brauche.

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