Der Geograf

Ok, so ganz genau weiß ich auch nicht warum ich dachte, es sei eine gute Idee, alleine zu dieser Fakultätsparty zu gehen. Meine Mädels sind alle verplant für heute Abend – das erklärt zumindest das allein.
Aber ansonsten? Was hab‘ ich mir nur gedacht? Und dann auch noch Geografen…

Ich bin froh, wenn ich mich nicht permanent verlaufe und grob weiß, dass Hamburg die schönste Stadt ist und alles südlich des Harzes in etwa Frankreich…

Ich bin Mitte 30 und die Studenten hier sind so jung, dass ich ihnen am liebsten das Bier wegnehmen und einen heißen Kakao machen möchte. Das war’s! Dumme Idee! Ich gehe nach Hause!

Ich exe meinen ökologisch, weil recycelten Pappbecher, der bis zum Rand mit etwas gefüllt ist, das entfernt an Sekt erinnert und möchte mir gerade meine Tasche schnappen.

„Na, da hat aber jemand Durst“, höre ich von der Seite.

„Oder schwer was zu verarbeiten“, entgegne ich, ohne Emotion in meine Worte zu legen, während ich mich zur Quelle des geklopften Spruches drehe.

„Du bist kein Student, oder? Du bist zu alt.“

„Und du bist nicht sonderlich charmant“, kontert er und wir beide müssen lachen.

„Hi, ich bin Anne. Ich wollte mich gerade auf den Heimweg machen. Ich hab‘ mich hier nur her verlaufen.“
Mein Gegenüber gefällt mir. Sehr sogar. Der Abend könnte doch noch ganz interessant werden.

Er lacht.
„Ok, du bist eindeutig nicht vom Fach. Geografen verlaufen sich nämlich NIE. Wir machen nur ungeplante Exkursionen.“

„Also bist du Langzeitstudent? Du bist doch weit über 30!?“

„Habilitant.“

„Ok, Herr Geofraf, was hältst du davon, wenn du uns noch zwei Becher von dem alkoholischen Blubberzeug holst?“

Das tut er dann auch. Und dann nochmal. Und später dann verschiedene Kurze in den schönsten Regenbogenfarben. Wir sitzen auf dem Boden, lehnen an der Wand, unterhalten uns prächtig und lachen. Viel. Sehr viel.
Der GeoGraf ist durchtrainiert und etwa 180 cm groß. Die braunen Augen wirken forsch und neugierig. Seine Hände sind permanent beschäftigt – mit Gestikulieren, Kurze kippen, Papierservietten gedankenverloren beim Zuhören filetieren. Der Kerl ist bestimmt recht fingerfertig.

Ein Problem, wenn ich getrunken habe ist, dass man mir anzusehen scheint was ich denke.
„Was ist?“ fragt er „Woran hast du gerade gedacht? Du siehst aus, als hättest du was Unanständiges im Kopf.“

Fuck. Ok. Flucht nach vorn.

„Ich hab beobachtest, wie du deine Serviette befummelst und überlegt, ob ich etwas neidisch werde. Was würden deine Finger wohl mit mir machen?“

Er ist stumm. Seine Augen werden groß, dann sein Lächeln breit. Und frech. Ich kenne diesen Gesichtsausdruck. Den haben die meisten Männer, wenn Ihnen klar wird, dass unerwarteter Sex greifbar nah ist.

Der GeoGraf lehnt sich zu mir herüber, greift mit einer Hand sanft um meinen Nacken und küsst mich. Und das macht er verdammt gut. Und wie wir da so knutschend auf dem Boden sitzen kommt ein etwa 18jähriges pickliges Jüngelchen vorbeigesurft und sagt leicht angenervt: „Leute, echt, nehmt euch ein Zimmer“.

Arsch. Wobei. Recht hat er irgendwie.
„Können wir hier irgendwo hin?“

Der GeoGraf überlegt, dann grinst er und nimmt meine Hand. „Komm mit!“

Er führt mich den Korridor hinunter und beginnt in seinen Schlüsseln zu suchen. Kartenraum steht an der Tür.

„Was bitte ist ein Kartenraum?“

„Ein Raum für Karten und außer mir hat hier heute niemand einen Schlüssel dafür.“

Er lächelt. Ein schelmisches Lausbubenlachen, als würde er einen geheimen Weg zur Süßigkeitenkammer kennen.

Kaum ist die Tür offen, huschen wir hinein, um sie von der anderen Seite gleich wieder zu verschließen. Er zieht mich zu sich heran und beginnt erneut, mich zu küssen. So so guuut. Seine Hände wandern meine Silhouette entlang, weiter über meinen Rücken – wobei er mich noch näher an mich drückt – bis hin zu meinem Po.

Seine Küsse in Richtung meines Halses dirigierend, scanne kurz meine Umgebung. In der Mitte des Raumes steht ein großer Tisch auf dem mehrere Karten ausgebreitet sind. Ich löse mich von ihm und gehe rüber zum Tisch. Für einen Moment ist er sichtlich verwirrt und erinnert für einen Sekundenbruchteil an einen verlassenen Hundewelpen, den man aus dem Auto gekickt hat.

Ich setze mich auf den Tisch, stelle die Füße auf die zwei Stühle, die rechts und links stehen und schiebe meinen Rock dabei wie zufällig gerade so weit hoch, dass er runterschmulen kann.

Langsam und immer noch dezent unter meinen Rock blickend kommt er zu mir rüber.

„Du trägst keine Unterwäsche?“

Er steht jetzt vor mir.

„Offenbar freut dich das.“

Ich lächle ihn zuckersüß an, während ich mit meinem Finger die Kontur der Beule in seiner Hose nachzeichne.

Wieder küsst er mich. Drückt mich an sich, verschwindet mit seiner Hand unter meinem Rock und fingert mich, dass mir leicht schwindelig wird. Ich stöhne auf, japse nach Luft. Da hat mein Kopfkino mir nicht zu viel versprochen…

Mit seiner freien Hand schafft er es irgendwie, sich seiner Hose zu entledigen und ein Kondom aus der Tasche zu zaubern. Guter Mann! Der GeoGraf packt mich am Hintern und zieht mich an die Tischkante und knapp darüber hinaus.

„Ich will dich“, raunt er mir ins Ohr.

„Dann nimm mich!“

Ich ziehe in zu mir.

Wir küssen uns, während er in mich eindringt. Mir schwirrt der Kopf vom Alkohol, vor Lust und Leidenschaft. Er bewegt sich langsam aber mit Kraft in mir. Fast als würde er eine Stelle massieren, die viel zu lange keine Beachtung gefunden hat. Das fühlt sich unfassbar gut an. Ich finde Halt, indem ich mich in seinen Hintern kralle und kann mir ein kleines oh jaaaa nicht verkneifen.

Seine Bewegungen werden rhythmischer, fester, schneller. Ich liebe das. Ich bin froh über die beiden Stühle, die mir etwas Halt geben. Klar denken kann ich gerade nicht mehr. Mit den Händen stütze ich mich hinter mir ab (ich glaube auf Brasilien), schiebe mich ihm noch mehr entgegen.

Mich überströmen Wellen der Ektase, mein gesamter Körper verkrampft sich, nur um einer enormen Entspannung zu weichen. Er hält mich währenddessen, selbst dabei zu kommen, legt mich anschließend behutsam auf Nordamerika und seinen Kopf auf meinem Busen ab.

Ich bin glücklich, dass ich hier bin. Und ich muss zugeben, ich bin ein bisschen neugierig was der Herr Graf noch so zu bieten hat.

3 Kommentare zu „Der Geograf

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